Ergebnisse der PEGASUS-Studie zu APL-2

Ergebnisse der PEGASUS-Studie zu APL-2

Eine kürzlich veröffentlichte Studie aus Leeds, England, untersucht die Wirksamkeit des neuen Medikaments Pegcetacoplan bei Paroxysmaler Nächtlicher Hämoglobinurie (PNH). Pegcetacoplan ist in Europa noch nicht zur PNH-Therapie zugelassen, eine Zulassung wird jedoch derzeit durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) geprüft. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen das Medikament und die Studie kurz vorstellen und werfen zunächst einen kurzen Blick auf die der PNH zugrundeliegende Störung der Blutbildung, um die Wirkweise von Pegcetacoplan nachzuvollziehen:

Normalerweise befinden sich auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die den Sauerstoff durch unseren Körper transportieren, bestimmte Eiweiße. Diese regulieren unter anderem das Immunsystem und verhindern, dass die Erythrozyten bei der Zirkulation durch den Körper verfrüht abgebaut werden. Bei der PNH fehlen diese Eiweiße: Sowohl in den Blutgefäßen (intravasal) als auch außerhalb (extravasal) werden die roten Blutkörperchen vermehrt in Milz und Leber durch einen Teil des körpereigenen Immunsystems – durch das Komplementsystem – zerstört (Hämolyse). Die Folge kann unter anderem ein Mangel an Erythrozyten im Blut (mit erniedrigten Hämoglobinwerten) und ein daraus resultierender Bedarf an Bluttransfusionen sein.

Die in Deutschland bereits zur PNH-Behandlung zugelassenen Wirkstoffe sind Eculizumab und Ravulizumab: In der hier beschriebenen Studie wurde die Wirksamkeit von Eculizumab im Vergleich zu Pegcetacoplan untersucht. Eculizumab, ein sogenannter C5-Komplementinhibitor, hindert das eigene Immunsystem vornehmlich daran, die roten Blutkörperchen in den Gefäßen abzubauen, hat jedoch wenig Einfluss auf ihren verfrühten Abbau in Milz und Leber. Hier setzt der C3-Komplementinhibitor Pegcetacoplan an, der seine Wirkung an beiden Stellen entfaltet. In der Studie erhielten die insgesamt 80 PNH-Patient*innen zunächst vier Wochen lang eine Behandlung mit Eculizumab und Pegcetacoplan. Nach den ersten vier Wochen setzte etwa die Hälfte der Teilnehmer*innen die Therapie weitere 16 Wochen lang mit Pegcetacoplan ohne Eculizumab fort, die andere Hälfte wurde genau andersherum behandelt.

Bei Studienende wurde festgestellt, dass die Patient*innen unter Pegcetacoplan-Therapie signifikant höhere Hämoglobinwerte aufwiesen als die Eculizumab-Gruppe. Auch waren sie deutlich seltener auf Bluttransfusionen angewiesen. Bei Betrachtung der Nebenwirkungen traten unter Pegcetacoplan-Behandlung häufiger Reaktionen an der Einstichstelle auf (das Medikament wird unter die Haut verabreicht), ebenso Durchfälle. Unter Therapie mit Eculizumab kam es vergleichsweise häufiger zu behandlungsbedürftiger Hämolyse sowie zu Kopfschmerzen und Müdigkeit.

Die Studie wurde an einer eher kleinen Patient*innengruppe durchgeführt und kann aufgrund des relativ kurzen Zeitraums von 16 Wochen keine Sicherheit über mögliche langfristige Behandlungsfolgen geben, auch wenn es hierfür derzeit keine Hinweise zu geben scheint. Die Entscheidung der EU-Kommission über eine Zulassung wird voraussichtlich noch dieses Jahr auf Basis der EMA-Empfehlung fallen und selbstverständlich halten wir Sie hierüber auf dem Laufenden.

Zum Abstract im New England Journal of Medicine (englisch)