Update zu Ravulizumab in der Schwangerschaft

Im vergangenen Jahr haben wir unseren Beitrag „Neues zu Ravulizumab in der Schwangerschaft“ veröffentlicht. Zur Erinnerung: In der Studie, über die wir berichteten, wurden 12 Schwangerschaften auf die Auswirkungen von Eculizumab und Ravulizumab untersucht. Zusammenfassend konnte man sehen, dass sich unter Ravulizumab bislang überwiegend gute mütterliche und kindliche Verläufe gezeigt haben. Für genauere Informationen verweisen wir gerne erneut auf unseren Beitrag.

2025 sind weitere Fälle in die Studie mit aufgenommen worden. Eingeschlossen sind mittlerweile insgesamt 16 PNH-Patientinnen, deren insgesamt 19 Schwangerschaften mit Ravulizumab mit 8 früheren Schwangerschaften mit Eculizumab verglichen wurden.

Innerhalb der 8 Eculizumab-Schwangerschaften traten 3 Fehlgeburten und eine Frühgeburt in der 25.  Schwangerschaftswoche eines nicht lebensfähigen Fötus auf.

Bei den Ravulizumab-Schwangerschaften resultierten alle Schwangerschaften in Lebendgeburten.  Auch nach dem medianen Follow-up von 16.2 Monaten konnten keine schweren infektiösen Komplikationen bei den Kindern beobachtet werden. In der Gesamtschau ist von einzelnen Entwicklungsauffälligkeiten bei zwei Kindern berichtet worden, ein kausaler Zusammenhang zu Ravulizumab ist daraus nicht ableitbar.

Mütterliche Komplikationen unter der Therapie mit Ravulizumab traten in dem beobachteten Zeitraum trotzdem mehrfach auf: Dazu gehörten Hämolyse-Episoden, Transfusionsbedarf, Infektionen und ein thrombotisches Ereignis.

Zusätzlich zeigte sich in 2 untersuchten Schwangerschaften ein transplazentarer Übertritt von Ravulizumab mit Nachweis im Nabelschnurblut, während die Konzentration in der Muttermilch sehr niedrig war.

Die Autoren heben zudem hervor, dass die längere Wirkdauer und das stabilere pharmakokinetische Profil von Ravulizumab gegenüber Eculizumab einen potenziellen Vorteil in der Schwangerschaft darstellen könnten. Dadurch wird freies C5 vollständiger und anhaltender gehemmt, wodurch pharmakokinetische Durchbruchereignisse seltener auftreten können.

Diese kleine retrospektive Fallserie liefert weitere Hinweise auf eine günstige mütterliche und kindliche Entwicklung unter Ravulizumab, beweist Sicherheit aber weiterhin nicht. Es braucht weitere Daten, um diese Aussage festigen zu können.

Die Empfehlungen unseres letzten Artikels bleiben damit bestehen:

„Auch in Zukunft sollte die Anwendung von Ravulizumab in der Schwangerschaft durch ein spezialisiertes Zentrum erfolgen. Einer der Gründe dafür ist, dass die spezielle Anpassung der Dosis bei Ravulizumab in der Schwangerschaft sich deutlich von der Therapie mit Eculizumab unterscheidet.

Eine unkontrollierte Anwendung von Ravulizumab ohne entsprechende Erfahrung könnte zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Deshalb sollten sich Patientinnen oder ihre behandelnden Ärzte frühzeitig mit einem spezialisierten Zentrum in Verbindung setzen.

Dafür gibt es aktuell folgende Optionen:

  • Regelmäßige Kontrollen in der Zytopenie-Ambulanz des Instituts für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Ulm am Institut für klinische Transfusionsmedizin (IKT) in Ulm in Kooperation mit den Kollegen der Gynäkologie und Hämatologie des Heimatortes
  • Vorstellung bei Planung/Beginn der Schwangerschaft im IKT Ulm, anschließend Mitbetreuung durch das IKT Ulm auf Distanz in Kooperation mit den Kollegen der Gynäkologie und Hämatologie des Heimatortes
  • Information über Schwangerschaft unter Ravulizumab an das IKT Ulm, Unterstützung/Betreuung der behandelnden Ärzte im Heimatort durch das IKT Ulm“

Lesen Sie sich bei Interesse gerne die gesamte Studie durch, in welcher noch weitere Informationen zu finden sind, auf die wir hier nicht genauer eingegangen sind. Bei Fragen kontaktieren Sie uns gerne unter info@aa-pnh.org

Projekt der Stiftung lichterzellen

Um die Betreuung schwangerer PNH-Patientinnen weiter zu verbessern, unterstützt die Stiftung lichterzellen ein Projekt zur Untersuchung der Ravulizumab-Spiegel während der Schwangerschaft. Ziel ist es, künftig eine noch individuellere und sicherere Dosierungsanpassung zu ermöglichen.

Schwangere PNH-Patientinnen, die mit Ravulizumab behandelt werden, können das Projekt durch die Einsendung einer Blutprobe unterstützen. Die Kosten für Messung und Versand übernimmt die Stiftung lichterzellen.

Weitere Informationen zum Projekt und zur Teilnahme erhalten Sie hier.